Burschenschaft Normannia-Leipzig zu Marburg

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Burschenschaft

Studenten gibt es viele, Normannia bildet sie zum Akademiker.

Karl Bernhard Goldschmidt I und Hans Wilhelm Goldschmidt II,
Mitgründer der Goldschmidt AG Essen und der Degussa, Alte Herren Normannias,
Gruß zum 50. Stiftungsfest 1919


Seit Beginn der mitteleuropäischen Universitätsgründungen im 14. Jahrhundert schlossen sich deutsche Studenten an der Hochschule zusammen. Diese Zusammenschlüsse, die akademischen Verbindungen oder Korporationen, sind keine kulturelle Besonderheit der deutschsprachigen Hochschulen, sondern beruhen auf einer besonderen Entwicklung. Sie war seit dem späten Mittelalter durch Territorialisierung geprägt – die ihren Ausdruck in den Staat und Kirche mit akademisch gebildeten Juristen und Klerikern versorgenden „Landesuniversitäten“ fand – und durch den modus des freien Wohnens, Studierens und Lebens der Studenten, was nach der Reformation jedoch nicht mehr für die katholisch gebliebenen oder neugegründeten Universitäten galt, wo Studium und Studenten einem mehr oder weniger strengen Reglement unterworfen wurden.

Auf den nicht-katholischen Hochschulen entwickelte sich im 18. Jahrhundert, gebrochen durch die studentische, selbstdisziplinierend und verantwortungsethisch wirkende Reformbewegung ab etwa 1770, der Typus der Korporation, der für das 19. und 20. Jahrhundert und bis in die Gegenwart bestimmend wurde. Da die Universität Humboldts bildete, aber nicht erzog, bot sich diesem Typus ein weites Feld von Ansprüchen, die er sich zu eigen machte und auszufüllen suchte. Verbindung war und ist daher auch ein Bildungsinstrument und -element, das nach eigenem Verständnis eine Lücke als Korrektiv der akademischen Freiheit ausfüllt und im Rahmen einer innerkorporativen Charakterbildung die wissenschaftlich-berufliche Ausbildung der Universität abrundet.

Ein spezieller Typus der Verbindung ist seit der ersten Gründung 1815 die Burschenschaft, auf die die deutschen Farben Schwarz-Rot-Gold zurückgehen. Die Burschenschaft war die Avantgarde der deutschen Nationalbewegung, wurzelte in den Freiheitskriegen von 1813–1815, stand unter dem Einfluß von Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Moritz Arndt und Johann Gottlieb Fichte, war geprägt durch eine idealistische Volkstumslehre, christliche Erweckung und patriotische Freiheitsliebe. Diese antinapoleonische Nationalbewegung deutscher Studenten war politische Jugendbewegung – die erste in Europa – und die erste gesamtnationale Organisation des deutschen Bürgertums überhaupt, die 1817 mit dem Wartburgfest die erste gesamtdeutsche Feier ausrichtete. Auf dem Wartburgfest wurden die „Beschlüsse des 18. Oktober“ gefaßt, die erste Formulierung der Grundrechte in Deutschland, die teilweise wortwörtlich in die Reichsverfassungen von 1848/49 und 1919 sowie in das Grundgesetz 1949 einflossen. Aus den Reihen der Burschenschaft ging der erste Versuch einer politischen Partei in Deutschland, der Preß- und Vaterlandsverein, hervor, die Organisatoren und wichtigsten Redner des Hambacher Festes 1832 waren Burschenschafter. Und als 1848 die deutsche Nationalversammlung zusammentrat, stellten Burschenschafter dort die größte Gruppe.

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